Buchtip: Ursula Le Guin - Planet Der Habenichtse (Anarchistische Sci-Fi)


als ich in die anarchistische szene kam, war Planet Der Habenichtse schon ein klassiker. nicht nur, dass es einer der wenigen anarchistischen romane (im gegensatz zu theoretischen und anderen sachbüchern) ist, sonder einer der weniger anarchistischen scifi-geschichten die es überhaupt gibt.
das buch wurde 1974 veröffentlich und von Ursula Le Guin geschrieben.
in dem buch gibt es zwei gesellschaftliche systeme und planeten. der eine planet ist mit unserer gesellschaft vergleichbar, es gibt dort kapitalistische länder, sowie totalitäre und andere. auf dem nachbarplaneten lebt eine anarchistische gesellschaft. dort versuchen die menschen, ohne herrschaft, ungleichheit und hierarchien zu leben. während der erstere planet jedoch mäßigen reichtum und fortschritt hat, herscht auf dem anarchistischen planet grösstenteils armut und er ist bei weitem nicht so technisch entwickelt.
die handlung des buchs handelt von einem genie, der eine geniale wissenschaftliche entdeckung gemacht hat. auf seinem heimatplaneten - dem anarchistischen - fühlt er sich jedoch nicht möglich seine theorie und entdeckung zu vollenden, weswegen er auf den ersteren planet reist. man sollte noch erwähnen, dass beide gesellschaftssysteme zutiefst verfeindet sind und nur durch eine art friedensabkommen kein krieg zwischen beiden planeten herscht, wodurch die ausreise zu dem planeten sich als schwierig erweist.
als anarchist, anarchistisch aufgewachsen und durch und durch anarchistisch, erweist sich sein leben jedoch zutiefst beschwerlich auf dem hierarchischen planeten.

soweit zur handlung. über die eindeutige wichtigkeit des buches habe ich ja oben schon berichtet. wer anarchist ist, für den ist das buch sicherlich interessant - auch weil er aufzeigt, wie eine wirklich anarchistische gesellschaft im detail und "in wirklichkeit" aussehen kann. science fiction fans, die den scifi der 60er und 70er jahre mögen, also sowas wie philip k. dick oder john brunner, könnten das buch auch sehr interessant finden.

mir persönlich gefielen einige sachen an dem buch nicht, z.B. die darstellung einiger sozialen strukturen in der anarchistischen gesellschaft, oder auch andere sachen. einer meiner hauptkritikpunkte war, dass für mich zu sehr die botschaft gesendet wird, dass die anarchisten zwar bitterarm sind, aber eben deswegen glücklich - eben "planet der habenichtse", was mich ein bißchen an die kirchliche demutsbotschaft erinnerte und auch etwas so rüberkommt. gleichzeitig ist aber grade dass, denke ich, eine der kernaussagen des buches, nämlich, ungenau ausgedrückt, daß schon besitz und "haben wollen" hierarchie, oder besser, unglücklichkeit beinhaltet.
in der tat scheint das buch zu einem grossen, oder zumindest zu einem wesentlichen teil, tiefere, "philosophische" sinnfragen und gedanken zu behandeln, die über die "anarchistische politik" hinausgehen. diese aber gleichzeitig mit der realen anarchistischen gesellschaft, den menschen, ihrem umfeld und der welt zu verknüpfen, was ich für eine sehr wichtige, oder bahnbrechende sache halte (viele "philosophischen" werke machen das ja grade eben nicht).
ansonsten sind auch einige sehr schöne stellen in dem buch, an den monolog des wissenschaftlers an eine kapitalistische festgesellschaft über "die mauer" denke ich oft gerne zurück.

trotz meiner kritik halte ich das buch für ein sehr empfehlswertes buch.
hier noch ein zitat, das vielleicht einen guten eindruck von dem buch vermittelt.

„Wir sind Teilende, nicht Besitzende. Wir sind nicht wohlhabend. Keiner von uns ist reich. Keiner von uns ist mächtig. Wenn ihr Anarres wollt, wenn es die Zukunft ist, die ihr sucht, dann sage ich euch, daß ihr mit leeren Händen kommen müßt. Ihr müßt allein kommen, und nackt, wie das Kind in die Welt, in seine Zukunft kommt, ohne Vergangenheit, ohne Besitz, ganz und gar von anderen Leuten abhängig, um zu leben. Ihr könnt nicht nehmen, was ihr nicht gegeben habt, und ihr müßt euch selbst geben. Ihr könnt die Revolution nicht kaufen. Ihr könnt die Revolution nicht machen. Ihr könnt nur die Revolution sein. Sie ist in euch, oder sie ist nirgends.“

1 comment:

  1. Interessante Sache, wenn ichs auch genau wie du differenziert sehe, mehr hab ich ja bereits bei Corefreakz geschrieben.

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